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Kurzgeschichte

Wodka

Dem Versuch, der Langweile zu entgehen, befasste ich mich wieder mit Schalten von Kontaktanzeigen.

Siehe da, nach 2 Tagen online hatte ich gleich mit der ersten Antwort einer namenlosen Frau auch gleich Ihre Handynummer.

Ich überlegte. Was führt die im Schilde, wenn sie ihre Nummer wie Bonbons verteilt. Ich nötigte mich dazu, wie bereits in der Vergangenheit, mich nicht in Vorurteilen hinzugeben und rief an.

Sie hieß Ines. Nach 2 Minuten Gespräch wusste ich: sie hat 2 Kinder und bekommt eine Berufsunfähigkeits-Rente, läuft allein und telefonierend durch die Dresdner Neustadt.
Also wird’s ja wohl ein Rollstuhl nicht der Grund für die Rente sein. Ich mutmaßte auf psychische Erkrankung und behielt es für mich. Ich meinte, dass ich das erst mal sacken lassen müsste.
Ich unterhielt mich ein paar Tage später mit einer guten Freundin und erzählte ihr diese Geschichte. Sie schüttelte den Kopf, weil ich mich in irgendeinen Ausflüchten versuchte und der Frau nicht die Chance gab, mir ihre Geschichte zu erzählen.

So, wars das und ich machte weiter mit meinem Kontaktanzeigen-Kram. Die nächste Anzeige habe ich dann ein Wochenende später veröffentlicht.

Auch da kamen mehrere Antworten. Diesmal ohne Handynummer. Eine fragte gleich in der ersten mail nach einem Treffen. Na klar, warum nicht? Aber irgendwie kam mir die Email-Adresse bekannt vor. Nach 3 mails und Ihrem Namen wusste ich es: Ines. Ich erinnerte mich auch an das Gespräch mit der guten Freundin und schrieb dann, wer ich bin und schon gar nicht mehr weiß, vor was ich die Woche davor Angst hatte. Nun hatte ich Ihre Handynummer. Allerdings und aufgrund der grössten Mobilfunkstörung bei T-Mobile seit bestehen, wurde aus 19:30 Uhr dann 21:30. Im Großen Garten.

Ines fragte, ob ich nicht etwas mitbringen könnte, einen Wein oder so. Vor lauter Blödheit antwortete ich, dass ich Wodka da hätte. Die Freude Ihrerseits war groß und ich wusste, dass ich das mit dem Duschen nun auch nicht mehr brauchte, weil wir ja picheln würden.

Begegnet sind wir uns 21:15 Uhr, sie war zu früh und kam mir entgegen. Die nächstbeste Parkbank lud ein. Und auch gleich ging es mit dem Wodka los.

Ich fragte natürlich gleich nach der BU-Rente. Manisch-Depressiv war die Antwort. Na wenn mich mein Gefühl mal nicht getäuscht hat.

Was mich wunderte, das Ines die Worte Vibrator und Dildo öfter in der ersten Viertelstunde aussprach als Beate Uhse das in Ihren Katalogen stehen hat. Ob ich mir einen blasen lassen will. Nein danke, will ich nicht. Da war die Freude groß. Siehe da, es scheint tatsächlich Frauen zu geben, die nicht nur auf Körperliches aus sind. Ich trank den Wodka, liess sie, mit der Aussage, sie sei im Moment hypomanisch, erzählen. Von Ihren Kindern, von Schwangerschaftstests, davon, dass Sie sich auch schon für Sex hat bezahlen lassen. Nur gut, das ich keinen hab blasen lassen. HIV kann auch bei ungeschütztem Oralverkehr übertragen werden. Herpes auch.

Sie musste los, hat um 11 noch ein Date. Also, nach ca. 1 Stunde, der ganzen Flasche zu zweit ab Richtung Bahn. Sie nahm ich an der Hand, weil sie nicht gerade aus laufen konnte.
Mir war nach Musik, und machte es wie die Teenies, mit Musik aus dem Handy plärrend den Weg entlang.

Zum Abschied gab ich ihr ein Küsschen auf die Wange. Kurzum entschlossen drehte Ines meinen Kopf gerade und steckte mir ihre Zunge in den Hals. Und da war auch schon die Bahn da.

Am nächsten Tag rief sie an, war sie doch, leider, im Besitz meiner beiden Telefonnummern. Sie fragte, ob ich noch wüsste, dass wir uns geküsst haben. Ich bejahte und darauf hin wollte sie wissen, was wir jetzt machen.
??
Sie schlug von sich aus vor, ob wir das auf den Wodka schieben. Ich bejahte.
Ich könne mich ja noch mal melden, wenn ich Lust habe. Ich bejahte und sie legte auf.

April 2009

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