Kurzgeschichte
Das Hochbett und Ich
Es war im Februar 2010 an einem Freitag. Spontan wurde ich gefragt, ob ich mit Weggehen will. Na klar, immer gern. Eine halbe Stunde später war ich auf dem Weg und saß im Taxi.
Wir begannen mit anderthalb Stunden Cocktail-Happy-Hour. Danach zu Fuß in einen Club, wo wir uns Bier für den Weg zur Straßenbahn besorgten. Mit der fuhren wir dann in einen Techno-Club, in dem wir noch Desperados und andere Biersorten ausprobierten. Das Publikum war unter 17, die Musik dermaßen schlecht und es wurde noch eine Jacke, ein Handy und ein Mp3-Player von uns geklaut.
Schlecht gelaunt fuhren wir gen Heimat, mir wurde angeboten, ich könne mit in der WG schlafen. Gern, spar ich mir das Taxi. Gegen halb drei angekommen gab es dann noch 21-jährigen Whiskey und Wodka, wir haben wortwörtlich auf dem Tisch getanzt. Verständlicherweise weiß ich nicht mehr, wann ich ins Bett gegangen bin.
Es war ein Hochbett. Die Leiter war schmal, steil und überhaupt war das Hochkommen ein Krampf. Nachdem ich diese Aufgabe bewältigt hatte schlief ich dann auch gleich ein neben Kissenhüllen ein. An was ich nicht dachte ist, dass ich seit Jahren jede Nacht auf Toilette muss. So auch diese.
Ich versuchte, rückwärts, mit einem Bein, auf die Leiter zu kommen. Die war aber nicht festgeschraubt sondern nur angelehnt. Ich zog sie mit dem Bein wieder näher an mich heran und versuchte wieder, mit einem Bein auf die Leiter zu kommen. Zwischenzeitlich musste ich mich immer wieder am Rand des Hochbettes hochziehen um nicht abzustürzen. Mittlerweile hingen meine beiden Beine unterhalb des Bettes, ich lag mit der Hüfte genau auf der Kante und meine Arme suchten dringend nach Halt. Ich hielt inne und überlegte, nicht aufs Klo zu gehen. Das gäbe aber eine Riesensauerei bei meinem Harndrang. Also doch, ich muss auf diese Leiter! Ich probierte es zum wiederholten Male. Wie ich überlegte, was ich jetzt nun mache um auf die Leiter zu kommen wurde mir schwarz vor Augen.
Ich wachte erst wieder auf, als mein Hinterkopf auf dem Boden aufschlug. Das war schmerzhaft, bin ich auch deutlich über dem Idealgewicht. Ich prüfte die Verfassung meiner Körperteile, mal abgesehen vom Kopfschmerz, der aber gleich etwas nachließ. Schön, ich kann aufs Klo. War ich dann auch. War schön, nach dieser Tortur wusste ich es zu schätzen. Ich bin wieder aufs Hochbett geklettert und habe dann weiter geschlafen.
Als ich morgens aufwachte, brummte mir der Kopf. Ich war mir nicht sicher, ob das vom Alkohol des Abends war oder von dem Sturz. Ich habe mit einer ähnlichen Mühe wie nachts den Weg zum Boden angetreten, nur dass ich diesmal die Leiter erwischt habe. Ich stellte fest, dass ich nun stolzer Besitzer einer Beule war. Abends dann noch, dass ich eine blaue Zehe hatte. Meine Rückenschmerzen ließen erst zwei Tage später nach. Und wie ich erfuhr, war in der WG untendrunter früh um 6 nach dem benannten Abend ein lautes, deutliches Rumpeln zu hören, was sich niemand erklären konnte.
Ich habe mir ganz fest vorgenommen, in Zukunft Hochbetten zu meiden und lieber auf dem Teppich zu schlafen.
Februar 2010
