Mein Youtube-Kanal:

Youtube

Zwei Tage mit Lilly und Luci

Es war Januar. Es schneite, die Straßen waren vereist und es stand eine Dienstreise an. Mit dem Auto, weil kurzfristig der Flug zu teuer war und mit der Bahn es erstens deutlich länger dauert und trotzdem nicht billiger als ein Flug ist. Als Fahrer wurde ich ausgesucht, Grund war ein Termin meines Bruders. Meine Schwägerin kam auf die grandiose Idee, dass sie fahren würde, ich müsste im Gegenzug aber auf meine beiden Nichten Lilly und Luci aufpassen. Zwei Tage. Das war mir allemal lieber als Autobahn zu fahren, was ich sehr ungern mache.

Es war Dienstag. Ich ging auf dem Weg in den Kindergarten am Getränkemarkt vorbei, 2 Bier für abends holen. Lilly war brav aber enttäuscht, dass wir nicht den Schlitten mitnahmen. Dann holten wir Luci ab, die war bei einer Freundin. Durch den Schnee stapfend ging es nach Hause, die Kleine wollte der Großen immer alles nachmachen und sieht nicht ein, das man so schnell ins frieren kommt. Aber mit ein paar deutlichen Ansagen ist hier nichts zu bewerkstelligen. Da gabs doch einen Trick. Das Kind auf die Schultern zu setzen und so kann man ziemlich schnell den Weg lang laufen. Klappt super.

Zu Hause angekommen habe ich erst mal Getränke verteilt. Was wollen wir essen? Pizza? Jaa! Also FreddyFresh angerufen, 3 Pizzen bestellt und dann die Kinder mit Memo, Musik, Tanzen bespaßt.

45 Minuten später war das Essen da. Mann, hatten wir Kohldampf. Ich habe meine ganze Pizza geschafft, Luci dreiviertel und Lilly die Hälfte, auch wenn sie dabei die Salami runter gepuhlt hat.

Dann war mir wieder nach Musik. Cool Jazz.  Bettelnd fragte ich die Große, ob ich eine rauchen gehen dürfte. Ich brauch nur 5 Minuten. Wie viel sind 5 Minuten? Ich hab ihr das auf meiner Uhr erklärt und sie ihr da gelassen. Hoch ins Arbeitszimmer und genüsslich, zumindest zweimal, an einer Zigarette gezogen. Da schrie es schon von unten. Die zwei stritten sich. Aus den 5 Minuten sind dann nur 2 geworden und ich stellte fest, das Lilly mit nicht mal 3 Jahren versuchte, sich durch die Musikbibliothek zu wälzen. Und zwar ziemlich laut. Ich machte kurzentschlossen das Ding aus und ruhe. Ganz 2 Sekunden, dann ging´s wieder an. Das geht mit Hilfe einer Fernbedienung. Die hab ich ihr dann weggenommen. Das, was dann kam war Geschrei. Lauter als die Musik vorher. Einfach so aus Frust. Dass ist ja was für mich. Ich habe Lilly angefeuert, ich könne sie nicht hören. Die Verwunderung sprach aus ihren Augen. Ganze 3 Minuten später war Ruhe.

das Abendritual

Das Abendritual besteht daraus, einen Trickfilm zu schauen, sich dabei den Schlafanzug anzuziehen und dann ins Bad und anschließend ins Bett zu traben.

Packen wir es an. Fernseher an, Film an. Endlich Zeit, mal eine rauchen zu gehen. Dann habe ich mich dazu gesetzt. Dann passierte etwas Wunderbares. Luci kam kuscheln. Es ist phänomenal, wenn ein Mensch aus einer Emotion heraus Nähe sucht und nicht weil er denkt, er müsse das tun. Bei letzterem braucht man bei Kindern nicht von auszugehen. Ich bin fast eingeschlafen, weil mich dieser Moment so überwältigt hat. Dann kam auch schon der Abspann. Ich bin also zum Fernseher und da brüllte es von Lilly´s Seite auch gleich „Nein, Nein!!“. Doch, es ist Schlafenszeit, ich mach den Fernseher jetzt aus.
3, 2, 1, aus.
Da ging wieder die Sirene an. Das Kind schmiss sich auf den Boden und würdigte Ihre Schwester keines Blickes, die sich ins Bad trollte. Da blieb nur übrig, das Kind ins Bad zu tragen. Allerdings kennen Kinder den Aal. Der Aal bedeutet, dass sie sehr schnell die Arme hochreißen und so auf den Boden fallen. Man kriegt sie dann kaum wieder hoch. Haah. Nicht mit mir. Lilly hat mich auf diese Weise schon im Sommer vorher reingelegt, jetzt bin ich darauf gefasst. Geht ganz einfach, man darf das Kind nicht nur unter den Achseln tragen, sondern einen Arm unter den Po schieben. Das geht super und der Aal ist Geschichte. Im Bad hat sie sich dann doch auf den Boden geschmissen. Sie sagte nein. Was willst Du denn? Nein. Willst Du Zähne putzen? Nein. Musst Du aber. Also habe ich ihr die Zahnbürste gegeben. Nein. Also nicht, dann halt auch nicht. Neeeeein. Sie sprang auf als ich die Zahnbürste ausspülte und wieder wegpackte. Ihre große Schester suchte derweil ihre Haarbürste, die war aber nirgends zu finden. Und schön, wie die Große selbst ihre Zähne putzt.

Lilly hab ich dann auch gleich ins Bett gehievt und fragte sie, ob sie ihren Nucki haben will. Nein. So schmiss ich ihn, selbst etwas entnervt, auf ihren Schrank, was sie mit lautem Gebrüll kommentierte. Ich ging und kümmerte mich um die andere. Die war schon fertig, nur ihre Haarbürste haben wir nicht gefunden. Ich gab ihr noch etwas Wasser zu trinken und bin dann nochmal nach Lilly schauen gegangen. Ich nahm den Nucki und fragte sie, ob sie ihn jetzt haben will. Wutentbrannt riss sie ihn mir aus der Hand. Ich sagte ihr, sie solle sich hinlegen. Das machte sie. Zwei Minuten später war sie eingeschlafen und ich konnte sie zudecken. Ihre Schwester durfte im Ehebett neben mir schlafen. Wir haben noch vier, fünf Plüschtiere aus ihrem Zimmer geholt, sie um sie herum arrangiert und auch sie schlief gleich ein.

Ich bin dann an den Rechner, habe mir ein Bier aufgemacht und gleich bei Facebook meinen Status bekanntgegeben. Dann hab ich mir noch die Zeit vertrieben, bis ich erfuhr, dass die zwei Erwachsenen gut angekommen sind. Das war so gegen halb zwölf und ich habe mich dann auch ins Bett getrollt.

die Nacht und der Morgen

Lilly rief nachts um drei, sie müsste aufs Klo. Der zweite Satz war „will Trickfilm gucken“. Aufs Klo hab ich sie gelassen, aber gleich wieder ins Bett geschickt. Ich habe nachvollziehen können, wie sich alle Mütter fühlen, wenn sie nachts schlafen. Es ist so eine Art Halbschlaf, beim kleinsten Geräusch ist man hellwach, man bekommt jede Bewegung des Kindes mit. Luci zum Beispiel hat sich gedreht wie ein Kreisel, das war schon mehr als unruhiger Schlaf. Morgens wusste ich warum. Ihr war die ganz Zeit schlecht. Ich nahm an, dass es Eltern-Trennungsschmerz ist. Verständlich, zwar zu Hause zu sein aber die Eltern sind nicht da.

Lilly hab ich dann aus dem Bett geholt, diesmal war sie brav im Bad. Ihre Schwester stellte überrascht fest: „Lilly, du hast ja Deine Sachen noch an und keinen Schlafanzug!“ Sowas! Die Kleine wollte ja nicht mal Zähne putzen geschweige denn, sich umzuziehen. Deswegen habe ich großzügig auf Details verzichtet und sie einfach so ins Bett gesteckt.  Sowas kommt von sowas.

Dann gab es Kakao und Baguette mit Marmelade zum Frühstück. Ihre Schwester versuchte derzeit, sich zu übergeben, aber es kam nichts raus. Klar, war auch nichts drin, im Bauch. Glücklicherweise hatte ich einen Notfallzettel, wo auch die Nummer der Schule draufstand. Dort erklärte ich am Telefon, wer ich bin, wie es Luci geht und von besagtem Eltern-Trennungsschmerz. Das war auch der Direktorin einleuchtend und somit hatte Luci einen Tag schulfrei. Lilly dagegen hat das alles gar nicht angehoben. Nach dem Frühstück habe ich sie angezogen und, es war je Winter, auf dem Schlitten in den Kindergarten gezogen. Little Diva war hier das Stichwort. Wie eine Grand-Madame lag sie im Schlitten. Hätte nur noch gefehlt, das sie „Möge er fahren, Kutscher“ ruft. So waren wir 8:30 Uhr da, eine halbe Stunde zeitiger als sonst. Den Schlitten hab ich dort gelassen und bin wieder zurück, Luci war daheim geblieben.

Die bekam dann auch erst mal Frühstück, das hat sie auch drin behalten. Dann war Bastelstunde angesagt. Sie wollte unbedingt was für Mama basteln. Gut so, mein Kind, ich muss arbeiten. So konnte ich so getrost allein lassen. Alle halbe Stunde ging ich mal nachschauen, habe den Leim gereicht, mit der Schere geholfen oder Stifte gesucht. So wirklich zum arbeiten kam ich nicht, hab gerade Dinge geschafft, für die ich sonst 2 Stunden brauche. Nachmittags gabs dann einen Trickfilm. Vorteil für mich, ich konnte mich mit meiner Schwägerin abstimmen, was das Kind alles so tun soll. Deswegen gabs nach dem Trickfilm eine Rechenaufgabe.

die Rechenaufgabe

Bei mir ist es lange her, dass mir die Zahlen beigebracht wurden, hab auch schon vergessen, wie die das gemacht haben. Umso interessanter war es bei meiner Nichte, zu sehen, wie sie dem Thema Zahlen und Rechnen näher gebracht wird. Ich will ja gern ein guter Onkel sein und habe ich glatt mal nebenbei das schriftlicher Addieren beigebracht. Sie hörte aufmerksam zu und direkt, als wir fertig waren, hat sie alles wieder wegradiert. Sie erklärte, dass sie sich nicht von Erwachsenen helfen lassen dürfte. Keine Ahnung von Pädagogik habend, verstand ich nicht, wieso die Kinder sich Zahlenreihen aufmalen müssen, um dann einfach nur auszuzählen. Addieren funktioniert bei mir anders. Aber, wie gesagt, ich weiß es nicht besser.  Also habe ich mir verkniffen, mit der Lehrerin zu reden. Sollen sie machen, haben ja noch paar Jahre Zeit dafür. 

Gut, wieder eine Stunde rumgebracht, Lilly holen. Luci blieb wieder zu Hause, und Little Grand Madame hat sich auf dem Schlitten wieder heimziehen lassen. Mir kam die Frage auf, wie man bei einer Ganztagsbeschäftigung wie Kinder noch Kochen kann. Oder einkaufen. Oder Putzen. Selbst Duschen wird problematisch. Zumindest für Ungeübte. So entschloss ich mich auch am zweiten Tag, bei Freddy Fresh anzurufen. Ich schlug Nudeln vor, was bei den Beiden Anklang fand. Mit etwas Fernsehen vertrieben wir uns die Zeit, bis das Essen da war. Alle beide wollten unbedingt zur Tür und schauen, wie so ein Pizzabote wohl aussehen könnte. Jetzt wissen sie es. Ich habe, wie auch anders zu erwarten, meine Nudelportion samt geschafft, die Große die Hälfte und die Kleine hat ein paar von den Nudeln gegessen und mehr gesungen als zu kauen.

das zweite Abendritual

Wie war das mit dem Abendritual? Trickfilm schauen. Beim Trickfilm schauen Schlafanzug anziehen. Das hat sogar Lilly freiwillig und allein gemacht, ich glaube, zwei Tage in denselben Klamotten hat ihr nicht gefallen. Nebenbei haben wir sogar die Haarbürste gefunden und die Große hat sich ganze 15 Minuten damit beschäftigt, sich die Haare zu bürsten. Lilly ist derweil ins andere Bad, und hat sich mit regelrechter Hingabe den Mund gewaschen, sie wollte gleich gar nicht mehr damit aufhören. Und siehe da, auch Zähneputzen wollte sie. Kann ich wissen, dass die Zahnpasta von Kindern anders ist als die von Erwachsenen, mal abgesehen vom Erdbeergeschmack? Jetzt schon, sie ist nicht scharf. Also, nochmal von vorn. Derweil habe ich noch Luci bei den Haaren geholfen. Sagen wir es so, sie ist anspruchsvoll. Hat dann nochmal nachgebürstet. Die Kleine hat diesmal nicht geschrien, sofern man das Zimmer nicht verlassen hat. Der Nucki war auch weg. Da kam die große Schwester ins Spiel. Die hätte noch einen in der Spielzeugkiste (von dem nicht mal die Eltern wussten). Den haben wir gesucht, gesäubert und Lilly gegeben. Die hat aber immer noch gejammert, wenn man zur Tür gegangen ist. Onkel Micha, soll ich dir helfen? Oh ja, rette mich! Luci ging an Lillys Bett und sang ein Lied. Stimmt, da stand doch was auf meiner Notfallliste. Das hat auch Wunder geholfen. Sie ist dann in ihr Bett, hat mir alle ihre 30 Plüschtiere vorgestellt und wollte erst schlafen, nachdem ich ihr versprochen habe, das Mama und Papa diese Nacht wieder kommen.

Nach einer Stunde schrie Lilly. Stetig lauter werdend. Sie müsste auf den Topf. Hab sie aus dem Bett geholt. Mann, die Kleine macht das wie die Großen, die braucht ja 20 Minuten. Ich habe nach 5 Minuten schon aufgegeben, zu warten und habe dann ab und an mal nachgefragt, ob sie schon fertig ist. Wieder im Bett, ist sie dann auch gleich eingeschlafen. Ich habe mich dann wieder zu Facebook und Co. Verzogen, diesmal ohne Bier, denn ich wollte unbedingt, egal wie spät, nach Hause fahren.  Gegen 0:30 Uhr kamen die Großen dann wieder. Wir haben uns gegenseitig von den zwei Tagen erzählt und ich habe mich um 2 nach Hause getrollt.

Anstrengend wars, aber immerhin eine Geschichte wert.

Januar 2010

Suchst Du nach: